Der Feind in meinem Beet {Mit Ravioli-Rezept}

„Hast du Taleggio da?“ Wenn ein zufälliges Gespräch mit dem Koch-Kollegen am Wochenende mit genau dieser Frage beginnt, weiß ich – nu‘ muß ich improvisieren. Denn Taleggio habe ich natürlich keinen da. Reibekäse habe ich da. Und Wildkräuter aus dem Garten, die hab‘ ich auch da. Frühlingsfrisch geerntet am Tag, bevor der Schneegriesel über uns kam.

Und eigentlich wollte ich mich ja auch bloß vergewissern, daß es eine gute Idee wäre, aus Bärlauch, Wildrauke und Giersch* ein grünes Pesto zuzubereiten, damit ich es als Raviolifüllung verwenden könnte.

Kannste machen, sagt der Kollege dazu. Aber weißte, was noch viel besser zu deinen Gartenkräutern passt? Koch einfach ein paar Pellkartoffeln, zerdrück die mit der Gabel und misch da die gehackten Kräuter drunter, dann haste deine Füllung fast schon beisammen. Ah! Oh! Au ja! Interessant, das probier‘ ich doch direkt mal aus. Danke!

Gartenkräuter-Ravioli für Zwei

Für den Giersch (siehe unten) gilt also der folgende Satz: Was man anders kaum wieder loswerden kann, das ißt man am besten auf.

Für die Ravioli benötigt Ihr außer einer Handvoll junger Gierschtriebe noch etwa genauso viel Wildrauke und einige Blätter Bärlauch.

Außerdem für den Nudelteig: 200 gr Weizendunst oder -mehl, 2 Eier,
20 ml Olivenöl.

Für die Füllung: 3–4 kleine Kartoffeln, gekocht, gepellt und mit der Gabel (oder dem Kartoffelstampfer) zerdrückt. Und: gut schmelzenden Käse, damit die Raviolifülle schön cremig wird. Ich hatte an diesem Sonntagnachmittag nichts anderes da als Reibekäse, aber ich bin mir sicher, Ricotta zum Beispiel ginge auch. Oder eben Taleggio, oder was auch immer Euch sonst zu Pasta schmeckt.

Tip Nummer 1: Nudelteig mag’s kalt. Wenn Ihr keine Arbeitsfläche aus Stein in Eurer Küche habt, nehmt am besten eine Keramikschüssel mit weitem Boden als „Unterlage“.

In diese Schüssel gebt Ihr das Mehl und drückt mit der Gabel oder mit der Hand eine kleine Mulde hinein. Da hinein schlagt Ihr die Eier, verquirlt sie leicht und gebt anschließend vorsichtig das Öl hinzu.

Dann kommt wieder die Gabel zum Einsatz. Nach und nach verbindet Ihr das Mehl mit den beiden anderen Zutaten – immer vorsichtig von außen nach innen, von außen nach innen, bis der Teig sich besser mit den Händen bearbeiten als mit der Gabel traktieren lässt. Dazu Hände und Arbeitsfläche etwas bemehlen, und dann: kneten, kneten, kneten. Etwa acht bis zehn Minuten lang.

Tip Nummer 2: Laßt Euren gut durchgekneteten Nudelteig etwa 30 Minuten eingepackt im Gefrierfach ruhen, dann geht das Ausrollen nachher leichter.

Diese Wartezeit könnt Ihr wunderbar nutzen, um die Füllung aus Kartoffeln, feingehackten Kräutern und Käse vorzubereiten. Einfach alle Zutaten in einer Schüssel mischen, nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen, fertig. Das ist so herrlich unkompliziert!

Gleichmäßig ausgerollte, dünne Teigplatten herzustellen, gelingt mir nur mit der Nudelmaschine. Glücklicherweise besitze ich eine, seit der Weihnachtsmann der Freund mir vor ein paar Jahren mal eine schenkte. Wir haben die Maschine lange nicht benutzt, weil die ersten Versuche, sie in Betrieb zu nehmen, glorios scheiterten. Inzwischen weiß ich, woran: am Nudelteig, der schlicht und ergreifend zu feucht und klebrig geraten war.

Also Tip Nummer drei (und vier): Immer mit bemehlten Händen arbeiten. Und auch die Walzen der Nudelmaschine mit Mehl bestäuben. Nicht zu sehr, nur leicht, das wird schon genügen. So geht der Teig gut durch, ohne zu kleben, und wird – das ist die große Kunst dabei – nicht gleich zu trocken.

Gut funktioniert’s, wenn Ihr Euren Teig zunächst etwa der Breite der Nudelmaschine entsprechend etwas „vorausrollt“. Dann hat das Gerät es nachher leichter. Arbeitet Euch von der breitesten Öffnung der Maschinenwalzen bis zur Stufe 2 vor. Pro Stufe laßt den Teig etwa zwei, drei, vier Mal durchrattern.

Jetzt geht’s ans Füllen. Dazu die entstandene Teigplatte in zwei etwa gleichlange Streifen teilen. (Nicht vergessen: die Arbeitsfläche eventuell noch einmal mit etwas Mehl bestäuben.) Auf einen dieser beiden Streifen mit dem Löffel kleine Häufchen von der vorbereiteten Füllung setzen, den zweiten Streifen darüberlegen, vorsichtig glattziehen und andrücken. Mit dem Ravioliausstecher die Teigtaschen ausstechen. (Ersatzweise einfach einen anderen runden Teigausstecher oder ein kleines Glas verwenden.)

Tip Nummer 5: Achtet zum Schluß darauf, daß Eure fertigen Ravioli fest verschlossen sind. Falls zwischen Teig und Fülle noch Luft zu sehen ist, einmal vorsichtig mit der flachen Hand drauf drücken, damit die leckeren Taschen nicht im kochenden Wasser auseinanderfallen.

Puh, das hat ja ein ganzes Weilchen gedauert … Umso schneller geht’s aber jetzt, bis das Essen auf dem Tisch steht. Tadaa: die Ravioli etwa drei Minuten in kochendem Wasser garen, in der heißen Pfanne in ordentlich Butter schwenken und mit Parmesan bestreut servieren. Fertig! Köstlicher könnt’s kaum sein, wenn Ihr mich fragt. Oder habt Ihr noch Rezepte für mich? Welche Raviolifüllungen könnt Ihr noch empfehlen?

 

*Ihr ahnt, wer der Feind ist? Gott, der Giersch! Unter der Forsythienhecke vorn am Weg wächst er wie das sprichwörtliche Unkraut. Als wir unseren Schrebergarten übernahmen, war ich noch der Meinung, man könnte doch, müsste aber und sollte auf jeden Fall etwas gegen diese grüne Plage unternehmen. So hing ich denn jedes Frühjahr wieder in den blühenden Zweigen und versuchte, die ellenlangen Wurzelausläufer irgendwie aus der Erde zu kriegen. Wenn ich meine gartenerfahrenen Eltern um Rat fragte, sprach mein Vater immer nur von aufkoffern. „Musste das ganze Beet aufkoffern!“ – „Ja bitte, aber wie soll das denn gehen? Da wächst doch diese dämliche Hecke. Die kann ich doch schlecht komplett ausgraben?!“ Von meinen zarten Jäteversuchen ließ das hartnäckige Kraut sich jedenfalls in keiner Weise beeindrucken. Nur der in nächster Nachbarschaft angesiedelte Waldmeister, der hat seine Chance genutzt und tritt inzwischen, da er sich weiter unbeirrt ausbreitet, als einzig anerkannter Giersch-Verdränger auf. Ich habe also längst meinen Frieden mit dem Kraut gemacht. Denn erstens ist es ja, wenn man es blühen lässt, auch eine gute Bienenweide, und zweitens kann man’s doch wohl essen. Und so gesund soll’s auch noch sein! Was ich im übrigen alles weiß, seit ich in der 11. Klasse in der Projektwoche mal einen Gierschkuchen buk. Aber das ist eine völlig andere Geschichte und wirklich schon sehr lange her …

Ofenkrapfen mit Hiffenmark {Laubenhausmädchen wird 5}

Karneval ist echt eine harte Zeit für mich. Erstens, weil ich so überhaupt gar kein Fan von Karneval bin. Und zweitens, weil die Krapfen, die’s beim Bäcker zu kaufen gibt – hier heißen sie Berliner – echt nicht mit der richtigen Marmelade gefüllt sind.

Wer nimmt schon gern Himbeer oder Pflaume oder Erdbeer, wenn er Hagebutte haben könnte? Also, ich nicht! Hagebutte, fränkisch Hiffe, ist doch das Allerbeste am Krapfen!

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Köstliche Winterquiche mit Lauch und Grünkohl aus dem Garten

Daß Lauch zu meinen Lieblingsgemüsen zählt, seit ich das erste Mal die eigene Ernte probieren konnte, davon habe ich Euch glaube ich im letzten Jahr schon mal berichtet vorgeschwärmt, oder? So aromatisch, mild-scharf und frisch – da kann jeder gekaufte Lauch aus dem Supermarkt gleich dreimal einpacken. [Für Anbautips und ein köstliches Suppenrezept bitte hier klicken.]

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Zweimal Sommer: Kräutersalz und Minzzucker selbstgemacht {Geschenke aus Laubenhausmädchens Küche}

Während alle anderen längst vom Herbst schwärmen, versuche ich, den Sommer mit allen Mitteln festzuhalten. Das ist jedes Jahr das gleiche. Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ich wieder Strümpfe anziehen muss, an dem alle Himbeeren geerntet und die letzten Tomaten von den Sträuchern gepflückt sind. Nicht immer treten diese drei Ereignisse zeitgleich auf, das eine oder andere lässt sich zu meinem Glück manchmal auch ein kleines bißchen hinauszögern. (Die Himbeeren halten ja bei günstigem Wetter oft noch bis November durch – da akzeptiere ich dann notgedrungen auch die Strumpftemperaturen.)

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Stockrosen und ein Madeleines-Rezept {Souvenirs}

Ich geb’s zu: Über Regentage mitten im Sommer habe ich mich wohl lange nicht mehr so gefreut wie in diesem Jahr.

Nach der langen Trockenheit im Juni konnten die Pflanzen im Garten in den letzten zehn Tagen einmal ordentlich durchatmen und dringend benötigtes Wasser von oben schöpfen, derweil ich mein erhitztes Gärtnerinnengemüt um willkommene zehn bis 15 Grad (geschätzt) heruntergekühlt habe. Das tat wohl uns allen irgendwie gut …

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Frühlingsgrüne Lauch-Fenchel-Suppe

Kennt Ihr das auch? Da sitzt man mittags mit den KollegInnen in der Pause zusammen, isst und unterhält sich – worüber denn auch sonst? – übers Essen. Natürlich! Guckt seinen Tischnachbarn auf die Teller, sagt „oh, das sieht aber auch sehr lecker aus, was du da hast!“, und am Ende tauscht man vielleicht sogar Rezepttipps aus. Bei uns in der Abteilung ist genau das bald tägliches Geschäft, mir scheint, ich arbeite mit lauter Schlemmern zusammen …

Bei einer dieser Gelegenheiten bin ich schon vor einer ganzen Weile mal an das Rezept für die frühlingsgrüne Lauch-Fenchel-Suppe gekommen. Eigentlich war’s mehr eine Idee von einem Rezept als eine genaue Angabe von Mengen, Zutaten und Abläufen, nach dem Motto, nimmste Lauch, nimmste Fenchel, dünstest beides ’n bisschen an, gießt es mit Brühe auf, läßt das Gemüse weich kochen und pürierst es einmal gründlich mit dem Mixstab. Vielleicht noch’n Schuß Sahne dazu, fertig.

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Spekuliere: Spekulatius {Geschenke aus Laubenhausmädchens Küche}

Ich gestehe: Auf Spekulatius spekuliere ich vor Weihnachten jedes Mal. Ich beneide auch unsere Nachbarn im Westen, daß sie ihr Spekuloos zwölf Monate im Jahr essen können. Zu Hause gilt ja für mich eisern die Regel „kein Weihnachtsgebäck vor dem ersten Advent“, aber wenn ich in Holland bin? Ist es ja kein Weihnachtsgebäck mehr, sondern ein stinknormaler Keks. Ha, ausgetrickst! So läuft das nämlich. (Die Geschichte zur eisernen Regel? Ist rasch erzählt. Es begab sich aber zu der Zeit, als ich Austauschstudentin in den USA war, meine Mutter mir vor Weihnachten ein Lebkuchenpaket von Zuhause schickte und alle um mich herum wahnsinnig wurden, weil ich mich weigerte, das besagte Paket vor dem ersten Advent zu öffnen. Das ist jetzt bald 20 Jahre her. Ein Lebkuchenpaket trudelt immer noch jedes Jahr bei mir ein, und so hat sich auch die Tradition erhalten, Weihnachtssüßigkeiten nicht vor einem bestimmten Datum in Anbruch zu nehmen. Versteht sich!)

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Zucchini-Ananas-Kuchen ohne Ananas {Rezeptesammlung}

Kommt, wir stemmen uns gemeinsam gegen die Zucchini-Flut! Das kühlt ganz sicher auch ein bißchen ab. Öhm, naja. – Ich gebe zu, bei Temperaturen von über 30 Grad jeden Tag mag es erstmal kontraproduktiv erscheinen, in der Küche extra den Ofen anzuschmeißen. Andererseits: Darauf kommt’s dann auch nicht mehr an, oder? Is‘ eh so heiß. Und Kuchen backen kann man auch morgens früh, wenn’s noch erträglich ist. (Dann hat man auch gleich was fürs Picknick im nächsten Baumschatten am Sonntag nachmittag!)

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Spargel aus dem Ofen und Kerbel {Laubenhausmädchens Kräutergarten}

Schnell Leute, Spargel! Bevor die gute Zeit gleich wieder vorbei ist! Ihr müßt nämlich unbedingt, unbedingt noch Spargel aus dem Ofen mit selbstgemachter Kerbel-Orangen-Mayonnaise essen. Woher ich das so genau weiß? Na, ich hab’s getestet. Verkostet und für gut befunden. Super gut!

Daß Kerbel und Spargel so hervorragend zueinander passen, war mir auch nicht bewußt, bis wir vor ein paar Wochen zu einem Kochnachmittag bei einem lieben Kollegen verabredet waren. Der Mann ist gelernter Koch und kennt sich aus. Vor allem schreckt er auch nicht davor zurück, eine Bande Dilettanten wie uns zum Kochen in seine Küche einzuladen. (Chapeau!) Fünf Gänge haben wir gemeinsam gezaubert von der Vorspeise bis zum Nachtisch und waren von nachmittags um drei bis abend um halb zehn gut und lecker beschäftigt. Die Idee finde ich total klasse: Jeder bringt ein oder zwei Zutaten mit, ohne sich vorher großartig mit den anderen darüber abzustimmen. Und dann, wenn die Einkaufstaschen geleert werden, wird quasi erst am Herd spontan beschlossen, was es zu Essen gibt – also, was man aus den Zutaten macht.

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Home Is Where My Laube Is. Und obendrein: Rhabarber! {Rhabarberzeit}

Neuer Glanz in alter Hütte! – Habt Ihr’s bemerkt? Das Laubenhausmädchen ist umgezogen! Sehr wohl. Das hätte ich selbst noch am allerwenigsten erwartet, als ich mich vor eine ganzen Weile fragte, was das vierte Blogjahr denn so bringen würde. März war’s, saukalt draußen und der Garten im Vergleich zu jetzt ganz kahl. Noch gar nicht so lange her, sagt Ihr? Mir erscheint das wie eine kleine Ewigkeit!  Und so ein Umzug? Ganz schön aufregend, sag‘ ich Euch. Aufwendig! Ich meine, auch die virtuellen Kartons wollen ja sinnvoll gepackt werden. Und korrekt wieder ausgeräumt … Das kann ich verraten, Tapezieren war noch das einfachste! (Erkennt Ihr’s wieder?) Und ohne die unschätzbar große Hilfe vom Freund wäre ich ja ohnehin völlig aufgeschmissen gewesen. Immerhin einer, der die Nerven behalten hat! Und der sich mit der Technik auskennt. (Großartig!) Irgendwie hab‘ ich das ja auch alles ziemlich spontan entschieden. Und dann halt einfach mal gemacht (aus Gründen)! Tadaa …

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