Stachelige Gurken {Reiseerinnerung}

Falls Ihr Euch fragt, ob das Laubenhausmädchen vielleicht eingefroren ist? – Ja, das bin ich. Gefühlt. Jedenfalls erwache ich nur ganz vorsichtig aus meiner Winterstarre. Ist einfach nicht meine Jahreszeit, diese Zeit! (Ungefähr von November bis März?) Die ersten Wochen des neuen Jahres waren obendrein super arbeitsreich, das hat mich einen Haufen Energie gekostet. Und so naß und verregnet und kalt! Daß im Garten nach wie vor alles brachliegt und ich zugebenermaßen noch keinen Handschlag getan habe. Der Matsch muß jetzt erstmal gründlich abtrocknen … und ich die Zeit finden, mich in Ruhe mit der Beetplanung für diese Saison zu befassen. Die kam nämlich bislang auch viel zu kurz. (Bin spät dran dieses Jahr, ich weiß. Aber: siehe oben! Kopf voll, Batterie beinahe leer.) In der Hoffnung, damit der Schneckenplage im Gemüsebeet Herr zu werden, will ich zum Beispiel vor der Aussaat ganz gern Einfassungen aus Holz auf die Erde stellen. Wenn – falls! – auch das nichts daran ändert, daß die blöden Viecher den Salat abnagen, bringt es vielleicht wenigstens etwas mehr Struktur und Ordnung ins Beet. Und das kann ja nie schaden! Zweiter Vorteil: Wir können mit Erde und Sand auffüllen, dann wird’s vielleicht auch mal was mit der Möhrenernte. Ausgerechnet im Gemüsebeet ist die Erde bei uns im Garten nämlich so lehmig und schwer, daß die bislang meist eher nicht so von Erfolg gekrönt war. Dabei sind Möhren aus eigener Ernte doch das Köstlichste! Apropos Schnecken, in einem Gartenratgeber las ich, daß Tagetes als sogenannte Schneckenlockpflanzen gelten und daß man sie pflanzen kann, um die Tiere von ihren eigentlichen Zielen im Beet ab-, also quasi direkt darauf umzulenken? Vom Salat und den Radieschen weg und voll hin zur Tagetesblüte. Die sie dann ja meinetwegen sehr gern abrasieren können. Habt Ihr das schon mal ausprobiert? Ich meine, funktioniert das wohl? – Nach den Erfahrungen der letzten Jahre bin ich ja wild entschlossen, alles auszuprobieren, was Hilfe verspricht.

Um den inneren Auftauprozeß zu beschleunigen, hab‘ ich aber jetzt erst nochmal was völlig anderes für uns. Sonne nämlich! Herrlich warme Spätsommersonne noch dazu. Aus dem letzten Jahr bis hier herübergerettet in Form von eingelegten Gurken. Eingelegte Gurken? Im Winter? Ist doch gar keine Einmachzeit! Das macht mir nichts, sag‘ ich da, denn Rezepte kann man ja schließlich das ganze Jahr über horten, oder? Ich mach‘ Euch alle noch zu Eichhörnchen! Und hab‘ ein Rezept für Euch – nein, eigentlich sogar zwei! –, um die Vorfreude auf die kommende Saison und die nächste Ernte zu steigern. Motivation! Kann ich gerade selbst am meisten gebrauchen.

Noch dazu waren das auch keine stinknormalen Gurken, die da in dieser Holzkiste wuchsen. Sondern Minigurken. Echte Minigurken, mit Stacheln dran! – Westindische Gurken, um genau zu sein, auch Anguriagurken genannt (lateinisch cucumis anguaria). Ursprünglich kommt die Pflanze aus Afrika, wird aber heute auch in der neuen Welt kultiviert und roh oder gekocht als Gemüse verzehrt sowie als Einmachfrucht verwendet. Geschmacklich ist sie unserer Salatgurke sehr ähnlich, sieht aber ja nun mal völlig anders aus. Die Früchte werden fast ballförmig und können mehr oder weniger lange Stacheln aufweisen, das sieht ganz lustig aus. (Ich gestehe: einfach so reinzubeißen hab‘ ich mich trotzdem erst mal nicht getraut.) Begegnet sind die Stachelgurken mir das erste mal 2016, als ich in den USA unterwegs war und auf meiner Fahrt durch Virginia einen Abstecher nach Monticello machte, Thomas Jeffersons Landsitz mit Gärten in der Nähe von Charlottesville. Lieblingsort! Davon hab‘ ich Euch auch schon mehrfach vorgeschwärmt, glaube ich…

Gurken für die Gastfreundschaft.

Die kuriosen Gurken spielten die Hauptrolle in einer kleinen Anekdote, von der man dort erfuhr, nämlich daß auf dem Tresen in der Küche als Zeichen der Gastfreundlichkeit immer ein großes Glas pickled West Indian gherkins bereitstand, um Besuchern eine erfrischende Kleinigkeit als Snack servieren zu können. Eingelegte Gurken für die Gastfreundschaft! Das fand ich so großartig, das wollte ich auch. Unbedingt! Und glücklicherweise gab es das Saatgut auch zu kaufen. Nur ging der erste Versuch, die Gurken bei uns im Garten gedeihen zu lassen, direkt schief: Nach meiner Rückkehr im Juni war ich mit der Aussaat einfach zu spät dran und es kamen zwar kleine Pflanzen zum Vorschein, aber keine Blüten und auch keine Früchte. Also mußte ich ja 2017 einen zweiten Versuch starten – Ehrensache. Unter dem feuchten Wetter, das wir letztes Jahr so lange hatten, haben die Pflanzen diesmal ganz schön gelitten und länger gebraucht, bis sie sich entwickelten. Für ein ganzes Faß hat die Ernte dann auch nicht gereicht, aber ich konnte am Ende drei Handvoll Früchte pflücken. Yay!

Und so habe ich die kleinen Gurken verarbeitet:

Zuerst habe ich aus 500 ml Weißweinessig, 250 ml Wasser, 3 El Zucker, einer Handvoll Salz, 2 Tl Senfkörner und einigen Pfeffer- und Pimentkörnern (ganz) einen einfachen Sud gekocht.

Laut Rezept* sollte der Sud vor der Weiterverarbeitung erst abkühlen. Bis dahin konnte ich die Gurken putzen und halbieren und als weitere Zutat noch einige Perlzwiebeln schälen. (Sechs Stück vielleicht? Wer’s zwiebeliger mag, nimmt einfach noch ein paar mehr.) Beides, Gurke und Zwiebel, habe ich dann dicht an dicht in zwei sauber gespülte Schraubdeckelgläser geschichtet und diese zuletzt bis unter den Rand mit dem erkalteten Sud gefüllt.

Zum Einkochen kamen die fest verschlossenen Gläser dann in einen großen Topf mit Wasser. Man legt zuunterst ein kochfestes Tuch in den Topf (jedenfalls, wenn man wie ich kein passendes Einkochgitter hat, auf das man die Gläser stellen kann), erst dann wird mit Wasser aufgefüllt: ungefähr so, daß es ihnen bis zur Hälfte reicht. Dann – Deckel drauf, Herd an, 15 bis 20 Minuten blubbernd kochen lassen. So hatte ich das tatsächlich vorher noch nie gemacht und war recht skeptisch … Aber siehe da, es funktionierte!

Das war Anfang September. Probiert habe ich aber neulich erst und aus lauter Neugier doch mal eines der Gläser aufgemacht. (Kennt Ihr das? Bei den selbst eingekochen Sachen denke ich oft, oh, das muß ich doch aber noch aufheben! Das ist doch viel zu schade, ums jetzt schon zu verbrauchen! Und dabei bleibt es dann meist eine ganze Weile.) Und zur Feier des Tages gab’s sogar  frisch selbstgebackenes Brot dazu. – Brot back‘ ich sonst eigentlich nie. Die Gurken aus eigener Ernte zu gekauftem zu essen, das erschien mir dann allerdings doch zu einfach! Irgendwie war’s ja ein besonderer Anlaß, fand ich. Und Roggenmehl hatte ich noch mehr als genug im Vorrat.

Würdige Unterlage. Roggenbrot, selbstgebacken

Für ein mittelgroßes Brot braucht Ihr** 500 gr Mehl, 1/2 Würfel frische Hefe, Salz (ca. 1 1/2 Tl), 2 El Zucker, 250 ml lauwarmes Wasser und, wenn Ihr mögt, 2–3 Handvoll gemischte Kerne.

Backzeit: 40 bis 45 Minuten, den Ofen auf 200 °C vorheizen.

Und so wird’s was, Schritt für Schritt:

1. Unter Rühren die Hefe im lauwarmen Wasser auflösen.

2. Das Mehl in eine große Schüssel geben. Die Hefe-Wasser-Mixtur mit Salz und Zucker zugeben und alles kräftig kneten – zuerst mit den Knethaken des Rührgeräts und dann mit den Händen. Oder gleich ganz mit den Händen. Hauptsache: 10 Minten ordentlich kneten. An dieser Stelle kommen schon die Kerne ins Spiel, wenn man mag.

3. Den Teig zugedeckt an einem warmen Ort etwa 45 Minuten gehen lassen.

4. Anschließend noch einmal (kurz) durchkneten und den Teig dann zu einem Laib formen. Mit einem Messer einschneiden und wieder zugedeckt gehen lassen, diesmal für etwa 20 Minuten.

5. Das Brot auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und ca. eine Dreiviertelstunde backen. Der Klopftest zeigt, ob’s fertig gebacken ist: Wenn man von unten auf das Brot klopft und es klingt hohl, ist es fertig, habe ich gelernt. Stimmt auch!

Wer mag, kann eine kleine feuerfeste Schale mit Wasser mit in den Ofen stellen, der Wasserdampf erhöht die Knusprigkeit der Kruste.

Daß ich mit Hefeteig so ein bißchen auf Kriegsfuß stehe, hat sich wohl auch bei dieser Gelegenheit wieder erwiesen – so ganz perfekt aufgegangen ist das Brot nämlich am Ende nicht. Aber ich habe mir sagen lassen, das kann wohl auch am Roggenmehl liegen … Macht nichts: Köstlich fand ich’s allemal und die Gurken waren’s auch wert. Am liebsten eß‘ ich die übrigens auf Frischkäse, wie Ihr sehen könnt. (Es sei denn, es handelte sich um ein original englisches cucumber sandwich – aber das ist eine ganz andere Geschichte!)

Und wie startet Ihr in den Frühling?

 

*Originalrezepte [hier] **und [hier].

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.