Summer Wine {Blind-Date Edition #2}

Was kommt dabei heraus, wenn elf Gartenbloggerinnen und Gartenblogger sich zu einem festgelegten Song Gedanken machen und die entstandenen Beiträge zeitgleich ins Internet stellen?
Edition #2: Unter dem Motto „Summer Wine“ hat jede/r von uns einen Beitrag zu dem gleichnamigen Song von Nancy Sinatra geschrieben. – Wir wissen nicht, was die anderen geschrieben haben, es gab keine inhaltliche Abstimmung und wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis!
Beim zweiten Gartenblogger-Blind-Date dabei sind Gartenbaukunst, Hauptstadtgarten, Beetkultur, Rienmakäfer, Der kleine Horrorgarten, Ye olde Kitchen, Karo-Tina aldente, Cardamonchai, Sind im Garten, Milli Bloom
– und das Laubenhausmädchen.

 

Die Vorbesitzerin unseres Gartens hatte immer ein kleines Schild an der Tür zur Laube hängen. Man sah darauf ein Foto von ihrem Lieblingsplatz auf der kleinen Terrasse an der Forsythienhecke, wo sie sich extra eine Klappbank und einen Sonnenschirm hingestellt hatte. Darunter ein Zitat: „Wer mich ganz kennenlernen will, muß meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz.“* Persönlich getroffen haben wir die alte Frau Friedrichs nie, da sie auch schon nicht mehr lebte, als wir vor fünf Jahren die Parzelle übernahmen. Wir nutzen aber immer noch ihre Werkzeuge und stellen ihre alten Tassen auf den Tisch, wenn es sonntags Kaffee und Kuchen gibt. Ihren Lieblingsplatz habe ich damals als erstes wieder hergerichtet und um die kleine Terrasse herum ein Kräuterbeet mit Oregano, Thymian, Salbei, Bärwurz, Schokoladenminze und Hopfen angelegt. Inzwischen ist das auch einer meiner Lieblingsplätze in dem Schrebergarten, der längst zu unserem geworden ist. Die Hecke im Rücken, sitzt man dort noch so halb im Schatten des großen Kirschbaums, der sicherlich so alt ist wie die ganze Gartenanlage. (Also 40 Jahre mindestens.)

My Summer Wine Is Really Made from All These Things

Wein wächst bei uns nicht, Alkohol produzieren wir trotzdem gelegentlich. Johannisbeeren oder Brombeeren oder Kirschkerne lassen sich ja ganz hervorragend zu Likör verarbeiten. Im letzten Jahr habe ich zum ersten mal Quittensaft angesetzt (schließlich soll ja nichts verkommen, der Saft blieb übrig, während ich Quittenbutter kochte – für ein kleines Fläschen hat’s gerade gereicht). Und wie gut, daß wir auch die Likörgläschen-Sammlung aufgehoben haben, die wir beim Aufräumen in der Laube fanden: Ich stelle mir manchmal vor, dass die alte Frau Friedrichs (so nennen wir sie insgeheim) das vielleicht genauso gehandhabt hat. Der Freund und ich führen also nur die Tradition fort! Ein Schnäpschen in Ehren und so weiter. (Hoch die Tassen.)

Jedenfalls dachte ich,  ich halte es gleich mal wie Frau Friedrichs und der Fürst und führe Euch durch Laubenhausmädchens Sommergarten, dann wißt Ihr sozusagen, mit wem Ihr’s hier zu tun habt. Stellt Euch auf eine Menge Fotos ein!

Take off Your Silver Spurs and Help Me Pass the Time

Der Sommer gehörte eine ganze Weile nicht zu den Jahreszeiten, die ich besonders wahrgenommen habe. Im Sommer ist im Leben 1.0 (im Büro) Hochsaison und ich bin oft sehr ein- und angespannt, schnell unterwegs von a nach b nach c oder ausgebremst auf der A40 mit der Erledigungsliste im Kopf und an drei Stellen zwischen Schreibtisch und Handtasche noch extra auf Papier. (Sicher ist sicher.) Ich kann dann sehr schnell sehr ungeduldig werden und bin dem Garten deshalb umso dankbarer, daß er mir die Gelassenheit zurückgibt, die mir im Alltag manchmal oft fehlt. Daß ich vor der Laube beim Lavendel sitzen kann, den Duft nach Sommer genießen und den Hummeln beim Brummeln zuhören kann. (Die Lavendelblüten sind zu dieser Jahreszeit ein sehr begehrter Tank- und Rastplatz, was mich jeden Tag aufs Neue fasziniert.) Daß ich einmal ums Häuschen rumgehen und von den Blaubeeren naschen und die Himbeeren nach reifen Früchten absuchen kann; mich über die Zinnien freuen, die sich im Gemüsebeet zwischen Kartoffeln, Bohnen und Kapuzinerkresse offenbar in bester Gesellschaft befinden. Im Frühsommer sind mein Schönstes die Erbsen, die pflücke ich immer und muß sofort probieren, wer braucht schließlich schon gekochte Erbsen, wenn er die knackigen Kugeln auch roh frisch aus der Schote picken kann? (Das ist eine Kindheitserinnerung an Sommerferien auf Langeland.)

Keine Termine – nur Zeit. Und niemand, der mich drängt (abgesehen vom Wetter und ab und zu auch abgesehen von meinem eigenen Perfektionismus). Natürlich ist das alles manchmal auch einfach nur anstrengend. Rasenmähen, Jäten, die Hecken stutzen, das sind die Pflichten, und die können ganz schön nerven. Vom Giersch gar nicht zu reden! Da weiß ich aber wenigstens, was ich getan habe, wenn der Muskelkater anrollt und ich mich nach einem Sommerwochenende im Unterholz so fühle als hätte ich eine Woche am Meer verbracht und wäre jeden Tag am Strand gewesen. Das tut auch gut und bringt mich auf den Boden der Tatsachen zurück. – Geht Euch das auch so?

Wenn es im Sommer auf der Terrasse an der Laube zu warm ist, ziehen wir uns oft in den Schatten des Kirschbaums zurück. Der perfekte Platz, um zu lesen oder ein bißchen zu dösen. Liegestühle besaßen wir am Anfang gar keine, die hatte Frau Friedrichs uns nicht vererbt. (Ich nehme an, sie war mehr so der Typ emsige Gärtnerin und Faulenzen war nich so ihr Ding. Vielleicht irre ich mich aber auch.) Es blieb aber auch wenig Zeit für Muße, wir hatten ja zu tun und wollten erstmal Ordnung schaffen. Das hat so ungefähr drei Saisons gedauert – bis endlich Zeit zum Trödeln war. Wie das halt sein muß im Sommer!

 

*Wer hat’s gesagt? Ich hab’s gerade noch mal nachgeschlagen: Fürst von Pückler-Muskau.
Der mußte das ja wohl wissen!

 

25 Antworten auf „Summer Wine {Blind-Date Edition #2}“

  1. wunderschön ist´s in deinem garten. danke für die einblicke und erzähl mir beizeiten gerne was über die kirschkerne und den likör … das tät mich interessieren. 🙂

    1. Sehr gern! – Und: Dankeschön! <3 Für den Kirschkernlikör brauchst Du bloß gewaschene Kirschkerne, Doppelkorn, braunen Kandis und nach Geschmack eine Vanilleschote. Alles zusammen in einer "blickdichten" Flasche ansetzten, 8 Wochen ziehen lassen, durch 'n Kaffeefilter abseien und auf Flaschen ziehen, fertig. Schmeckt sehr nach Amaretto und ist echt lecker. Ich hab' damit mal ein Kirsch-Tiramisu verfeinert, das Rezept findest Du im Blogarchiv … Liebe Grüße, ab aufs Sonnendeck! (Solange es nicht regnet.)

  2. Bei dem Schnaps mußte ich grinsen. Mein Vater, seit über dreißig Jahren Kleingärtner aus Leidenschaft, macht auch immer wieder Aufgesetzten. Und der hat es echt in sich! Geschmacklich als auch alkoholisch.

    Und das mit den Erbsen kenne ich auch. Ich habe das geliebt im Sommer mit meinem Vater Erbsen zu pulen. Immer schön zwei in den Mund, zwei in die Schüssel 🙂

    Liebe Grüße,
    Mirtana

    1. Also, für zwei in den Mund und zwei in die Schüssel reichts leider nicht ;-), dafür habe ich nicht genug Erbsen gesät … Aber ich werde die Regenpause jetzt nutze und gleich mal gucken, ob überhaupt was zu ernten ist. Schönen Sonntag wünsch ich Dir noch! 🙂

  3. Das mit dem hin- und her flitzen und gestresst sein kenne ich irgendwo her. Bin dabei gewaltig auf die Nase gefallen und auch mich entschleunigt das Gärtnern! Muss mich dabei sogar manchmal noch zusammenreißen.
    Sehr schöner Artikel, vielen Dank! lg aus Berlin von Camilla aka Milli Bloom

    1. Vielen Dank, ich freu mich! Das mit dem Zusammenreißen-müssen kenne ich sehr gut … Heute hab‘ ich allerdings sogar freiwllig vom Jäten Abstand genommen 😉 – wir haben da noch so einen Beetstreifen, der inzwischen völlig verwuchert ist, da müßte eigentlich mal aufgeräumt werden, damit wir das neu bepflanzen können, aber es war einfach zu heiß. Und dann kam das Gewitter … Liebe Grüße zurück!

  4. Liebe Franziska,
    das können wir alles genauso unterschreiben. Sehr schöne Fotos aus eurer Parzelle! Hach, da würden wir jetzt gern auf ein Gläschen Likör vorbeischauen und die Hummeln beim Brummeln beobachten. Herrlich!
    Viele Grüße aus Ye Olde Kitchen
    Eva und Philipp

    1. Der Geruch nach frischer Erde kann jedenfalls sehr anziehend sein, da hast Du wohl recht! 🙂 Phänomenal finde ich auch, daß man so aus dem Alltag rauskatapultiert wird – wenn dann noch Sommer ist, ist es die perfekte Mischung! (Gerade wieder getestet.)

    1. Bis jetzt hab‘ ich sie immer mit anderem Gemüse zusammen gedünstet oder gebraten und fand das sehr lecker! Schmecken ja tatsächlich bisschen spargelig … Kurz blanchiert und dann im Salat kann ich mich auch sehr gut vorstellen, aber das habe ich noch nicht ausprobiert. Auf jeden Fall will ich nächstes Jahr auch wieder Spargelerbsen haben, ich finde die Blüten auch so schön!

  5. Jaaaa! Das mit den Likörchen machen wir auch – und WIRKLICH erst, seitdem wir den Garten (und damit eine Schwarze Johannisbeerschwemme) haben. Früher konnte ich das auch überhaupt nicht verstehen und jetzt überlege ich schon, was ich als nächstes ansetze! Schönes Wochenende und liebe Grüße, Caro

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