Kommt, wir spielen Kirschen versenken {Junigarten}

Kann es wohl sein, daß der Juni der schönste Gartenmonat von allen ist? Mir kommt’s gerade mal wieder so vor.

Die Rosen geben sich eine nach der anderen die Klinke in die Hand und blühen nur so um die Wette. Am Lavendel tummeln sich die Hummeln und die Schmetterlinge, meinen Dahlien kann ich beim Wachsen zusehen und die Blütenbälle des Zierlauchs explodieren geradezu. Der Kürbis kommt ohne Stütze längst nicht mehr aus, die Tomaten sind jedenfalls blütenmäßig völlig außer Rand und Band geraten und die erste Gurke können wir wohl auch bald ernten. So soll das sein! So ist es auch jedes Jahr im Juni, scheint’s? Und jedes Jahr bin ich wieder höchst erstaunt. Daß das alles so kommt, hätte ich mir doch im Mai überhaupt noch nicht träumen lassen.

Aber: So ist’s! Und es ist wunderbar, so wie es ist. Endlich kann ich am Sonntag nachmittag im kühlenden Schatten unter dem großen Kirschbaum liegen und darauf warten, daß die rotesten Früchte gleich automatisch  in meiner Hängematte landen. Mir in den Mund wachsen! Das wäre was. Aber leider befindet sich unser Garten nicht im Schlaraffenland, sondern in Bochum-Wiemelhausen. Was einrseits ganz gut ist, denn der Weg ins Schlaraffenland wäre sicher zu weit (zum Garten mit dem Fahrrad gerade mal 15 Minuten von zu Hause aus). Andererseits ist das sehr schade, denn in Wiemelhausen muß man noch selbst ernten.

In guten Kirschenjahren – und 2019 scheint ein gutes Kirschenjahr zu sein – tragen wir um diese Jahreszeit diverse Kilo frische, reife Kirschen nach Hause. Vier oder fünf waren es jetzt so in etwa. Fünf Kilo! Produziert von nur einem Baum, der sicher so alt ist wie die Kleingartenparzelle selbst. Nicht zu fassen!

Und wir wollen uns ja nicht beschweren, weil hey, was gibt es denn im Sommer besseres als so knallfrisch gepflückte Kirschen? Richtig! (Fast) nichts. Aber ein bißchen viel auf einmal sind fünf Kilo dann schon. Wir haben schon Marmelade gekocht, Rote Grütze mit Kirschen zum Nachtisch gehabt und Porrige mit heißen Kirschen, Zimt und Pfeffer zum Frühstück gegessen … Auf meinem Schreibtisch im Büro steht zurzeit immer eine Schale mit frischen Kirschen. Der leckerste Sommer-Snack! UND Ich habe Kuchen gebacken. Kirschversenk-Kuchen, um genau zu sein. Kirschig-vanilligen Kirschversenk-Kuchen, der schnell gemacht ist und einfach so perfekt zum Sommer passt? Das Rezept* kann ich Euch nicht vorenthalten.

Ihr braucht dafür

600 g Kirschen (geputzt und entsteint), 150 gr Vanillejoghurt, 3 Eier, den Saft einer halben Zitrone, 300 gr Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 300 ml neutrales Öl (Raps- oder Sonnenblumenöl), 425 gr Mehl, 1 Päckchen Backpulver, 3 Eßlöffel Mandelblättchen, evtl. Puderzucker (zum Bestäuben, ganz nach Geschmack).

Außerdem: Backpapier für die Form. Und: Ofen vorheizen nicht vergessen! Einmal  175 °C bitte.

Backzeit 2x ca. 30 Minuten. Zur Halbzeit die Mandelblättchen aufstreuen und bräunen lassen, ggf. zum Ende der Gesamt-Backzeit (in etwa Minute 50) Backpapier auflegen, um eine Anbrennen zu verhindern.

Und so einfach kommt Ihr zum perfekten Kirschversenkkuchen auf der Sonntags-Garten-Kaffeetafel:

1. Eine Springform mit 26 cm Durchmesser mit Backpapier auslegen (oder fetten und mit Backpapier auslegen). Die Kirschen entstielen, waschen und entsteinen.

2. Den Vanillejoghurt in eine größere Rührschüssel geben. Eier, Zitronensaft, Zucker, Vanillezucker und Öl zufügen und mit den Schneebesen des Handrührgeräts verquirlen.

3. In einer zweiten Schüssel Mehl und Backpulver mischen, portionsweise in etwa drei bis vier Teilen zur Ei-Zucker-Öl-Masse geben und jeweils kurz unterühren.

5. Den Rührteig in die Springform füllen. Etwa die Hälfte der Kirschen im Teig versenken (in den Teig drücken), die andere Hälfte lose obenauf streuen. Nach der obenstehenden Anweisung in zweimal etwa 30 Minuten fertigbacken. (Stäbchenprobe!)

6. Kuchen aus der Form lösen und auskühlen lassen. Wer mag, bestäubt ihn vor dem Servieren noch mit Puderzucker.

Ein Traum in Kirschrot, ich sag’s Euch! Schmeckt doppelt gut, wenn der Liegestuhl, in dem man seinen ersten freien Nachmittag im Sommer zu verfaulenzen gedenkt, im Schatten unter genau dem Kirschbaum steht, der einem zwei Tage zuvor erst den Anlass zum Backen geliefert hat. Ach, könnte doch das ganze Jahr über Kirschenzeit sein!

 

*Ursprüngliche Quelle [hier].

Große Kirschenliebe. Und ein Dessert

Eßt Ihr auch so gerne Kirschen? Ich liebe Kirschen. Frisch vom Baum schmecken sie am allerbesten, finde ich. Oder in der Marmelade. Als Kompott, auf Waffeln … im Kuchen! – Und wie ich mich freue, daß mitten in unserem Garten ein großer, alter Kirschbaum steht: Das ist mein Schönstes, jedes Jahr wieder. Wenn am Kirschbaum die ersten Knospen aufgehen, zähle ich schon die Blüten und freue mich auf die Ernte. (Geduld ist nicht Laubenhausmädchens Stärke.)

2016 hat der Baum es gut mit uns gemeint, eimerweise haben wir Kirschen gepflückt. So viel, daß wir die frischen Früchte gar nicht alle auf einmal essen konnten. So viel, daß mit dem Marmeladekochen nicht mehr hinterherzukommen war. Und so viel, daß der Freund sich dachte, och, die Kerne alle wegschmeißen, das ist doch doof. Verschwendung. Was macht er? Setzt kurzerhand einen Likör an. Gewaschene Kirschkerne, dunkler Kandiszucker, Doppelkorn. Das ein paar Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen, und heraus kommt ein 1a Likör – schmeckt bald wie Amaretto, aber viel weniger süß. Und sehr kirschig. Ganz schön gut! Schöne Farbe auch. Derweil hatte ich’s mir noch einfacher gemacht und die restlichen Kirschen einfach eingefroren. Irgendwas würde man damit sicher noch anstellen können, dachte ich mir. Später im Jahr, wenn es gut tut, daß man ein bißchen vom Sommer in den Winter herübergerettet hat. Vielleicht ließe sich ja beides kombinieren, die Kirschen und der Likör …?

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