Und dann kam die Kälte. Wie wir an einem sonnigen Novembertag den Garten winterfest machten

Nicht erst einmal habe ich mich in diesem Herbst schon gefühlt wie die Grille, die vor lauter Geigespielen so ganz und gar und völlig vergessen hat, sich ein Quartier für den Winter einzurichten. Diese Kindergeschichte kennt Ihr, oder? Am Ende kommt das arme Tierchen wohl kurz vor knapp noch bei den Ameisen in der Nachbarschaft unter, die natürlich den ganzen Sommer über emsig unterwegs gewesen sind, Vorräte anlegen und so. Im Gegensatz zur Grille, der dann nur noch eines übrig bleibt: Kost und Logis gegen Musik, immerhin.

Ich hab‘ es wohl so ähnlich gemacht wie die Grille und, das erwähnte ich glaube ich an anderer Stelle schon mal,  den ganzen Sommer über begeistert (wahlweise auch total abgeschlafft) in der Hängematte unterm Kirschbaum gelegen. Also so ungefähr von Ende April bis Ende September, oder wie auch immer lange dieser fantastische Sommer 2018 so andauerte.

Ein bißchen fühlte sich das manchmal an wie früher, wenn die großen Ferien noch vor einem lagen und man dachte, das hört einfach niemals auf. Große Freiheit! Aber dann. Dann war’s auf einmal kurz vorm Urlaub und wurde zum ersten Mal ein bißchen kühler. So kühl, daß ich in der langen (!) Sommerhose anfing zu frieren, als ich beim Einpflanzen der Erdbeeren war und es um mich herum plötzlich naß wurde. Regen? Unerhört! Eine Jacke hatte ich da natürlich auch nicht dabei, schon gar nicht eine mit Kapuze. Grillen-Moment Nummer eins. Grillen-Moment Nummer zwei: Ende Oktober. Na, jetzt wird’s aber wirklich frisch draußen, muß ich mich wohl doch mal um die Beschaffung einer neuen Winterjacke kümmern. (Das stand dieses Jahr tatsächlich an.)

Grillen-Moment Nummer drei: ein sonniger Samstag Mitte November. Gemeinschaftsarbeit im Schrebergarten und dem Wetterbericht zufolge die letzte geeignete Möglichkeit, trockenen Fußes alles das zu erledigen, was man so gut auf die lange Bank hatte schieben können (oder müssen, zum Beispiel, weil man krank war und im Bette lag, während alle anderen noch die mildesten Novembertage seit Menschengedenken feierten. So ging es mir Anfang dieses Monats nämlich noch. Hmpft). An dem Tag sollte auch das Wasser abgestellt werden, echt spät dieses Jahr.

Diese Gemeinschaftsarbeit-Tage haben den Vorteil, daß wir früh auf sind. Der Freund, weil er ja dem Gartenvereinsvorstand angehört und nicht zu spät kommen darf, und ich, weil ich mir denke: Nutze den Tag! Um Neun Uhr geht’s los. Und während also der große Schredder, der regelmäßig gemietet wird (von der Stadt, glaube ich), die ganze Anlage beschallt, stehe ich bei uns auf der Wiese und überlege: Womit fange ich denn jetzt mal an?

Dahlien ausgraben

Das Wichtigste zuerst: Die Dahlienknollen mußten noch aus der Erde, denn leider ist ja bei uns das Klima während der kalten Jahreszeit nicht mild genug, um sie draußen überwintern zu können. Also: Spaten her! Und die Blumenschere. Als erstes schneide ich die oberirdischen Pflanzenteile, die nach den ersten frostigen Nächten zugegebenermaßen schon recht traurig aussehen, etwa bis auf eine Handbreit herunter. Ein wenig zerkleinert, kann das Grün später als Mulch auf der Pflanzstelle liegenbleiben.  Mit dem Spaten grabe ich dann die Knollen aus – möglichst vorsichtig, um sie nicht zu beschädigen. Das Ausgraben ist in der Tat ein bißchen trickreich (finde ich), da die Wurzelteile ja über den Sommer ganz schön an Umfang zunehmen können. Da muß man sich dann langsam herantasten, damit sie unverletzt bleiben.

Die Mittagsstunden nutze ich dann, um die ausgegrabenen Dahlienknollen auf der Terrasse vor der Laube noch ein Weilchen in der Sonne abtrocknen zu lassen, damit sie nicht gar so feucht in ihre Überwinterungskiste kommen. Erdreste schrubbe ich später mit einer Wurzelbürste ab.

Dann kommt, was ich noch nie in meinem ganzen Gärtnerinnenleben gemacht habe: ich markiere die Knollen tatsächlich mit Namen, damit ich im Frühjahr, wenn sie wieder in die Erde dürfen, noch weiß, welches welche ist. Klingt nach einer sinnvollen Maßnahme, oder? In diesem Jahr hatte ich drei Sorten, ‚Kaiser Wilhelm‘, ‚Emilio Dahlio‘ und ‚Waltzing Mathilda‘.  In ihrer mit Stroh und Papier gut ausgepolsterten Holzkiste überleben sie hoffentlich den Winter in der Laube!

Gemüsebeet aufräumen

Das war durchaus schnell gemacht. Teil eins: Rankgitter und Beetrahmen in den Schuppen tragen. Die Kunststoffolie vom Tomatenhaus herunternehmen und auch in den Schuppen tragen. (Damit wir nicht im Mai wieder feststellen, daß wir noch ganz rasch ein vom Wind verbogenes Gestängeteil austauschen müssen. Schlau, oder?) Teil zwei: Alles, was Pflanzenreste sind, zerkleinern und zusammen mit Laub als schützende Mulchdecke auf dem dem Beet verteilen. Die Köpfe von den Sonnenblumen schneide ich immer als ganzes ab und lege sie so im Garten ab, daß die Vögel noch an die Kerne herankommen. (Ich finde, jedes Gemüsebeet sollte ein paar Sonnenblumen haben!)

Und sonst noch?

Laub fegen. Wer so einen großen Kirschbaum hat wie wir und noch dazu einige Meter Hecke zum Gartenweg hin, der ist im Herbst sowieso ständig mit Laubfegen beschäftigt. Das ist die eine Arbeit, von der ich immer den fiesesten Muskelkater kriege, ich weiß überhaupt nicht, warum. Aber auf dem Rasen liegen bleiben sollten die Blätter eben nicht, das ist nicht gut für die Gräser. (Muskelkater hin oder her.) Da ist es schon besser, das Laub als schützende Decke auf die (Hoch-)Beete umzuverteilen, siehe oben. Was bis zum Frühjahr nicht verrottet, kann grob untergeharkt werden oder kommt auf den Kompost.

Spätestens im November schneide ich außerdem meine Himbeeren bis ungefähr auf Bodennähe herunter. Herbsthimbeeren – das kann man sich gut merken! Werden im Herbst geschnitten. Und gepflückt! Die letzten Früchte waren jetzt erst reif. Mitte November! Tip: Wenn Ihr beim Schneiden einige Ruten stehen laßt, blühen die Pflanzen nächtes Jahr gleich zweimal, zuerst an diesen und später an den neuen. Das heißt dann auch: auf die zweifache Ernte freuen!

Im Staudenbeet war dafür weniger zu tun, da ich dort nach der großen Trockenheit im August schon mit dem ersten Aufräumen begonnen hatte. Der Frauenmantel (und davon haben wir sehr viel im ganzen Garten) sah so abgebrannt aus, da mußte ich dann schon mal mit der Schere ran. In normalen Jahren halte ich mich an sich gern an die Regel, die umfänglicheren Rückschnittarbeiten im Staudenbeet erst am Ende des Winters zu machen. So bleibt den Pflanzen noch ein Kälteschutz und die Vögel im Garten haben eventuell noch ein bißchen Futter für sich, wenn das Verblühte stehen bleibt.

Der letzte Handgriff an so einem Aufräumtag im Spätherbst geht traditionell an die Regentonne, Hahn aufdrehen und laufen lassen, bis komplett ausgeleert. Und der erste Gedanke, wenn wir dann irgendwann spätnachmittags nach Hause kommen und ich total platt, aber glücklich auf dem Sofa liege? Der geht in Richtung Beetplanung für die nächste Saison! Klar, oder? Denn damit kann man ja schließlich nie früh genug loslegen…

 

 

 

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