Und, was liest Du grad‘ so? {#gartenbuchblogparade}

Wenn’s im Garten langsam ruhiger wird und weniger zu tun ist, fängt für uns Kleingärtner ja wieder die Lesezeit an. – Echt jetzt! Wir lesen noch Bücher! Kein Witz. Um die neue Saison vorzuplanen und die begehrten Plätze im Gemüsebeet sinnvoll neu zu vergeben zum Beispiel, oder um das ein oder andere noch mal nachzulesen. Manchmal klappt ja doch nicht alles so, wie man sich das vorstellt. (Das kann ich bezeugen! Aus der heißersehnten Rosenkohlernte wird nämlich leider nichts dieses Jahr. Was auch immer da schiefgelaufen ist, keine Ahnung.) Und da ist es gut, wenn man weiß, wo guter Rat zu finden ist. Die liebe Caro aus dem Hauptstadtgarten in Berlin hat kürzlich gefragt, was unsere liebsten Gartenbücher sind, und zur Blogparade mit Buchvorstellung eingeladen. Dazu hat sie auch diese wunderschöne Illustration gestaltet: Die muß ich Euch einfach zeigen! (Ist die nicht total schön? Die ist total schön, Caro!) Bei der Gelegenheit stelle ich Euch sehr gern eines meiner aktuellen Lieblings-Gartenbücher vor. Denn Blogparaden bringen Freude! #gartenbuchplogparade

In diesem Gartenbuch blättere und lese ich immer wieder sehr gerne, seit ich es von einer lieben Freundin geschenkt bekam: American Grown. The Story of the White House Kitchen Garden and Gardens across America* von Michelle Obama.

Klingt ’n bißchen umständlich, der Titel? Stimmt. Das macht aber nichts, davon sollt Ihr Euch nicht abschrecken lassen. – Finde ich. Ihr wißt ja doch, daß in mir auch ein kleines Ami-Mädchen schlummert, oder nicht? Das ist wohl kein Geheimnis … Daß dieses Buch tatsächlich manches über die Historie der Gärten des Weißen Hauses bis heute erzählt, ist allerdings nicht das einzige, was ich daran so interessant finde. – Da sind Kochrezepte drin!! Super gute Ideen und Anregungen, wie das Selbstgeerntete aus dem Garten in der Küche zu Köstlichem verarbeitet werden kann. (Ich sag‘ nur Blumenkohl-Mac-&-Cheese! Das allein verursacht ja schon leuchtendste Augen beim Laubenhausmädchen.)

American Grown ist aber noch so viel mehr als nur ein Geschichtsbuch mit Rezeptesammlung, denn obendrein ist das Buch auch ein echter Gartenratgeber. Kurz in einem Satz zusammengefaßt, geht es darin um den Gemüsegarten, den Michelle Obama während ihrer ersten „Amtszeit“ als First Lady gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aus Washington, D.C. beackert hat. Und ich meine, jeder Gärtner fängt ja mal klein an. (Mir gelingt auch nach fünf Jahren im Schrebergarten noch nicht alles, was ich da ausprobiere. Deshalb vermute ich, daß ich über den Anfängerstatus noch lange nicht hinaus bin!) Wenn man aber die Ehefrau des Präsidenten ist und in dieser Rolle einen Nutzgarten plant, dann gibt es eine Menge Leute, die man um Hilfe bitten kann, bevor man das erste Mal Blattsalate und Kohl pflanzt, Radieschen sät oder Speisezwiebeln steckt. Die Gärtner des National Park Service zum Beispiel, die für die allgemeine Pflege und Instandhaltung der Grünanlagen ums Weiße Haus zuständig sind, oder die Köche, die dort in der Küche arbeiten. Die kann man dann mal fragen. – Und das schöne ist: Alle diese Menschen kommen hier auch immer wieder zu Wort, geben praktische Tips und berichten von Erfolgen und Mißerfolgen und von den Erfahrungen, die sie im Laufe der Jahre in „ihrem“ Garten sammeln konnten. Besonders gefallen mir die bunt illustrierten Anbaupläne, die durch alle vier Jahreszeiten führen: der Küchengarten im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Da sehe ich auf einen Blick, was ausgesät und angebaut werden kann, was wann wächst, welche Gemüse sich miteinander gut vertragen (Stichwort Mischkultur) und welche vielleicht besser nicht zusammen in einem Beet stehen sollten. Wenn die Profis das sagen? Da werd‘ ich mir bei meiner Planung für nächstes Jahr sicher das ein oder andere abgucken, so viel steht mal jetzt schon fest.

„In a garden, with a little ingenuity and imagination – and a whole lot of effort – you can achieve something you never thought possible.“

Es macht mir einfach sehr viel Spaß, dabei zuzusehen, wie dieser Garten gedeiht. Von Gartensaison zu Gartensaison wächst die Zahl der Beete auf der South Lawn hinter dem Weißen Haus und die Zahl der Erfahrungen, jedes Jahr werden erneut Schulkinder eingeladen, mit dabei zu sein, und das Gemeinschaftsprojekt gewinnt an Bekanntheit.

Das empfinde ich zu Hause tatsächlich genauso, und ich glaube, deshalb spricht mich diese Geschichte auch so an: Der (mein) Garten ist ein Ort des Lernens – und man lernt ja schließlich nie aus! Geduld zum Beispiel und Gelassenheit, die übe ich beide immer wieder, wenn mal wieder irgendwas nicht so klappt, wie ich das gerne hätte. Toleranz brauche ich gegenüber dem Unkraut, das grundsätzlich da wächst, wo ich es nicht haben will. Gegenüber dem Wetter, das oft so ist, wie es gerade nicht sein soll. Und gegenüber den Mitgärtnern im Verein! Da kommen ja so viele unterschiedliche Menschen zusammen: Der eine pflegt seine Parzelle super gewissenhaft, der andere kommt im Sommer höchstens mal alle paar Wochen zum Rasenmähen vorbei. Das kann ganz schön frustrierend sein – und gleichzeitig auch sehr bereichernd, wenn man dann doch mal übern Gartenzaun miteinander ins Gespräch kommt, sich gegenseitig hilft und vielleicht nützliche Tipps füreinander hat. Ich mach‘ das ja normalerweise so, wie machst du das denn bei dir im Garten?

Mein Fazit: Dieses Bereichernde am Gärtnern steht in American Grown ganz im Vordergrund, spätestens dann, wenn zusätzlich Schulgärten und andere soziale Projekte im ganzen Land vorgestellt werden, wo Menschen sich treffen, gemeinsam gärtnern, Zeit verbringen und im wahrsten Sinne die Früchte ihrer Arbeit ernten. Das finde ich total spannend! – Beim Lesen habe ich allerdings mal wieder feststellen müssen, daß ich viel zu wenig über ähnliche Projekte hier bei uns in Deutschland oder in den Nachbarländern weiß. Habt Ihr da vielleicht Infos für mich? Das tät‘ mich wirklich interessieren.

 

*Michelle Obama: American Grown. The Story of the White House Kitchen Garden and Gardens Across America. Englische Ausgabe, erschienen bei Ebury Press 2012.
Das oben genannte Zitat stammt aus dieser Ausgabe, Seite 204, The 2011 Winter Garden Plan.

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